Variablen in Regressionsalanyse interpretieren

Fragen, die sich auf kein spezielles Verfahren beziehen.

Variablen in Regressionsalanyse interpretieren

Beitragvon Dome » Fr 28. Jun 2013, 12:29

Hallo,

ich habe folgende etwas mathematische Frage:

In einer Regressionsanalyse (Gravitymodell) versuche ich die Wirkung des Zolls auf Exporte zwischen den EU27-Staaten und ihren Exportpartnern analysieren. Dabei stoße ich aber auf zahlreiche Nullwerte im Intra-EU-Handel, wodurch die Zollvariable ja letztlich nur die Wirkung des Handels mit den Nicht-EU-Staaten zeigt (quasi zur Dummy-Variablen wird).

Ich verwende deshalb einen Index, der die Offenheit der Handelspartner darstellt, von 1-5 reicht und also keine Nullwerte enthält. Allerdings haben auch hier natürlich fast alle EU-Handelspartner den selben Wert.
Habe ich also das Problem von oben also noch nicht umgangen? Dass der Einfluss des Intra-EU-Handels vergleichsweise immernoch sehr hoch ist, ist mir klar. Doch kann die Variable nun immernoch nur als "Intra/Extra-EU-Handel" interpretiert werden?

Für eine kurze Rückantwort wäre ich sehr dankbar!!
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Re: Variablen in Regressionsalanyse interpretieren

Beitragvon daniel » Fr 28. Jun 2013, 12:38

Edit
Kurz vorweg, weil es im ursprünglichen post möglicherweise nicht klar herauskommt. Das "Problem" ist nicht der Wert 0. Das Problem ist die fehlende Varianz innerhalb der EU.

Wenn es kaum within Varianz gibt, dann ist das so. Du kannst mit keiner Mathematik der Welt herzaubern, was in den empirischen Daten nicht vorhanden ist.

Vielleicht ist es hilfreich getrennte Analysen (eine nur für Intra-EU, eine nur von EU-Staaten nach außen) durchzuführen. Wenn die varianz für eine Schätzung des Effekte auf den Exporrt zwischen den EU-Staaten nicht ausreicht, dann muss man das m.E. wohl oder übel akzeptieren und geeignet diskutieren.
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Re: Variablen in Regressionsalanyse interpretieren

Beitragvon Dome » Fr 28. Jun 2013, 13:24

Hei Daniel,

danke für Deine schnelle Antwort! Ich habe mir schon fast sowas gedacht...
Der Koeffizient den ich für die Offenheitsgrad-Variable für den gesamten Handel EU27-USA errechnet habe, ist natürlich sehr niedrig. Könnte ich Deiner Meinung nach trotzdem argumentieren, dass dieser Wert eben aufgrund des hohen zollfreien Intra-EU-Handels niedrig ist, aber ansonsten Aussagen über die Effekte von Zollreduktionen erlaubt? Oder würdest Du sagen, dass dieser Wert nur besagt, dass der Handel mit Nicht-EU-Ländern einfach weniger Einfluss hat, als der Intra-EU-Handel?
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Re: Variablen in Regressionsalanyse interpretieren

Beitragvon daniel » Fr 28. Jun 2013, 15:01

Der Koeffizient den ich für die Offenheitsgrad-Variable für den gesamten Handel EU27-USA errechnet habe, ist natürlich sehr niedrig
[...]
Oder würdest Du sagen, dass dieser Wert nur besagt, dass der Handel mit Nicht-EU-Ländern einfach weniger Einfluss hat, als der Intra-EU-Handel?


Ich bin ehrlich gesagt verwirrt. Der Offenheitsgrad ist doch das outcome? Wie kannst Du dafür eine Koeffizienten schätzen? Ich dachte Du interessierst Dich für den Effekt des Zolls (Prädikator) auf den Export bzw. alternativ die Offenheit (outcome)? Wie bereits vorgeaschlagen würde ich dazu mal schauen, wie dieser Effekt aussieht, wenn Du ausschließlich Exporte von der EU in andere Länder betrachtest, und den Handel innerhalb der EU nicht berücksichtigst.

Ansonsten wäre es hilfreich mal das Modell, das Du schätzt aufzuschreiben und die Daten etwas genauer zu beschreiben.
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Re: Variablen in Regressionsalanyse interpretieren

Beitragvon Dome » Fr 28. Jun 2013, 16:25

Ok, also hier mein Modell:

Es handelt sich um das ökonometrische Gravitationsmodell des Außenhandels, in dem der Export Land i nach Land j (X) abhängt vom BIP (Y), der Entfernung zwischen den Ländern (D) und weiteren Variablen, in meinem Fall eines Trade Freedom Indexes (T):

X = Y + D + T

Mein Datenset besteht aus allen Handelsbeziehungen (Exporten) zwischen den EU27, der USA und ein paar weiteren Ländern.

Der Trade Freedom Index ist eine Gewichtung des jeweiligen bilateralen Zolls abzüglich eines "Penalty Scores" für nichttarifäre Handelshemmnisse. Die Werte die dabei heraus kommen liegen so zwischen 60 (Land ist wenig offen) und 100 (Land ist sehr offen). Ich habe die Werte dann eben skaliert von 1 -5, je nach Offenheit.
Der Koeffizient von T ist positiv (je offener desto höher der Export in dieses Land).

Folgende "Probleme" habe ich nun:

- Der Intra-EU-Handel ist zollfrei und die meisten Länder habe den gleichen "Penalty Score", ihre Werte sind also gleich.
- Etwa 3/4 aller Exportbeziehungen in meinen Werten machen Intra-EU-Exporte aus.

Frage:

Sagt der Koeffizient für T wirklich etwas über handelsschaffende Effekte bei Offenheit des Landes aus, oder sehe ich hier nur wieder den Effekt "Handel mit/ohne EU"?
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Re: Variablen in Regressionsalanyse interpretieren

Beitragvon daniel » Fr 28. Jun 2013, 16:34

Wie sieht denn die Datenmatrix aus und wie schätzt Du die Koeffizienten? Wenn Du bsp. in (Spalte) X einmal Exporte von Land A nach Land B hast (eien Zeile) und ein weiteres mal (neue Zeile) Export von B nach A, dann tust Du mittels OLS so, als seien dies unabhängige Beobachtungen. Das sind sie sicher nicht. Bin nicht sicher, wie ich das spezifizieren würde.

Ich würde vielleicht mal einen Indikator erstellen, der die jeweilige Handelsbeziehung als EU-intern kennzeichnet. So kannst Du für diese tatsache in der Regressionsgleichung kontrollieren.
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Re: Variablen in Regressionsalanyse interpretieren

Beitragvon Dome » Do 4. Jul 2013, 23:04

Hallo Daniel, falls Du hier mal wieder reinschauen solltest:

Ich habe neben meinem Trade Freedom Index nun eine Variable "Transatlantischer Handel" zur Kontrolle in die Gleichung eingebaut. Betrachtet ich nun die Bedeutung des Offenheitsgrades im transatlantischen Handel (EU-USA)?
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