Hypothesentest

Fragen, die sich auf kein spezielles Verfahren beziehen.

Hypothesentest

Beitragvon Hugo23 » Mo 26. Aug 2013, 23:32

Hallo liebes Forum,
die Beiträge hier haben mir bereits sehr bei der Erstellung und Bearbeitung meiner Bachelorarbeit geholfen.
Jetzt bräuchte ich noch einmal Hilfe bezüglich der Überprüfung meiner Hypothesen.
Ich habe Hypothesen aufgestellt, die den Einfluss einer ordinal (Likert-Skala mit 7 Ausprägungen) skalierten Dimension auf eine nominal (dichotom Ja/Nein) gemessene Dimension bestätigen sollen.
Also beispielhaft liest sich eine der Hypothesen so:

Materialismus (als Eigenschaft des Konsumenten) hat einen positiven Einfluss auf dessen zukunftige Kaufabsicht.

Die Dimension Materialismus wurde also auf einer Likert-Skala gemessen, die zukünftige Kaufabsicht mit Hilfe einer Ja/Nein Frage.
Könnt ihr mir ein statistisches Verfahren nennen, mit dem ich diese Hypothese testen kann? Ich hatte schon an den Mittelwertdifferenzentest gedacht, aber dieser besagt ja nur, ob ein signifikanter Unterschied zwischen den Mittelwerten in beiden Gruppen besteht oder nicht. Er sagt nichts darüber aus, Materialismus tatsächlich dafür sorgt, dass der Konsumt die Kaufabsicht bejaht.

Ich bin dankbar für jeden Tipp, der mich der Lösung nur etwas näher bringt.
Mit besten Grüßen,
Hugo
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Re: Hypothesentest

Beitragvon bele » Di 27. Aug 2013, 11:07

Hallo Hugo,

wenn Du die Likert-Skala als ordinal betrachtest, kannst Du nicht Mittelwertsdifferenzen nehmen sondern nur Mediane betrachten oder Rangsummendifferenzen vergleichen.

aber dieser besagt ja nur, ob ein signifikanter Unterschied zwischen den Mittelwerten in beiden Gruppen besteht oder nicht. Er sagt nichts darüber aus, Materialismus tatsächlich dafür sorgt, dass der Konsumt die Kaufabsicht bejaht.


Das liegt aber an der Natur Deiner Daten: Du kannst nur beobachten, dass MAterialismus in Ja- und Nein-Gruppe unterschiedlich ausgepägt ist. Ursachen-Wirkungsverhältnisse stecken in den Daten nicht drin, deshalb kannst Du sie auch mit anderen Statistikmethoden da nicht raus holen.

LG,
Bernhard
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Re: Hypothesentest

Beitragvon Hugo23 » Di 27. Aug 2013, 15:09

Hallo Bernhard, vielen Dank schonmal für die Hinweise!

Wenn ich die Likert-Skala jedoch als metrisch interpretiere, also hilfweise gleiche Abstände zwischen den Ausprägungen unterstelle, was ja in der praktischen Forschung durchaus oft passiert und geduldet ist, könnte ich aber die Mittewertdifferenz /bzw. deren Signifikanz bestimmen, oder?

Wenn ich dann von metrischen Daten ausgehe und das artihemethische Mittel vergleiche könnte ich ja immerhin sagen, dass Leute die eine zukünftige Kaufabsicht haben einen höhren Mittelwert für diese Eigenschaft aufweisen. Und dann mit Hilfe des Mittelwertdifferenztest begründen, dass dieser Unterschied auch signifikant ist, oder?

Als andere Möglichkeit hatte ich mir heute morgen noch überlegt, ob ich nicht mit Hilfe einer logistic regression (die ja für dichotome Daten geeignet ist) den Einfluss von Matrerialismus auf zukünftige Kaufabsicht (ja/nein) bennen kann. Was hälst du davon?

Vielen Dank für deine Hilfe,
Hugo
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Re: Hypothesentest

Beitragvon bele » Di 27. Aug 2013, 15:53

Hallo Hugo,

Hugo23 hat geschrieben:Wenn ich die Likert-Skala jedoch als metrisch interpretiere, also hilfweise gleiche Abstände zwischen den Ausprägungen unterstelle, was ja in der praktischen Forschung durchaus oft passiert und geduldet ist, könnte ich aber die Mittewertdifferenz /bzw. deren Signifikanz bestimmen, oder?

Wenn Deine Likkert-Skala auf mehreren Items beruht (das tut eine Skala eigentlich, ich wollte es nur mal sagen) und entweder eine Normalverteilung angenommen werden kann oder die Zahl der Teilnehmer so groß ist, dass man den t-Test als ausreichend robust betrachten kann, dann kannst Du mit einem t-Test einen Mittelwert-Vergleich machen und eine Signifikanz bestimmen.
Ist die Fallzahl eher klein und die Normalverteilungsannahme eher schwach, dann kannst Du auch bei metrischem Denken mittels eines Rangsummentests auch feststellen, ob höhere Mittelwerte für eine Kaufabsicht sprechen.


Als andere Möglichkeit hatte ich mir heute morgen noch überlegt, ob ich nicht mit Hilfe einer logistic regression (die ja für dichotome Daten geeignet ist) den Einfluss von Matrerialismus auf zukünftige Kaufabsicht (ja/nein) bennen kann. Was hälst du davon?


Du halst Dir damit sehr viel mehr Arbeit auf. Du musst untersuchen, ob Deine Daten zu einem logistischen Modell passen. Wenn sich Deine Daten vernünftig durch ein logistisches Modell beschreiben lassen, dann erhälst Du sehr viel mehr Informationen als mit dem t-Test oder Wilcoxon-Test. Du erhälst z. B. einen Cuttoff, ab welchem Materialismuswert das Modell von einer zukünfitgen Kaufabsicht ausgeht.

Es ist nun eine Frage der Fragestellung, ob sich der Aufwand und die zusätzlichen Annahmen lohnen. Willst Du nur einen signifikanten Unterschied beweisen, dann sind t-Test oder Rangsummentest Deine Freunde. Sind die zusätzlichen Informationen aus dem logistischen Modell den Aufwand und die zusätzlichen Annahmen wert, dann mach das.

Bleib immer so einfach wie möglich, aber nicht einfacher.

LG,
Bernhard
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Re: Hypothesentest

Beitragvon Hugo23 » Mi 28. Aug 2013, 15:31

Hallo Bernhard,
vielen Dank für deine ausführlichen Antworten!
Meine Likert-Skala beruht auf mehreren Items, keine Sorge!
Die Nutzung der Logistic Regression habe ich mit meinem Betreuer mittlerweile besprochen und er findet die Idee gut. Die von dir angemerkten notwendigen Bedingungen sind laut SPSS-Output ebenfalls erfüllt. Ich konnte bereits einige interessante Wirkungen aus den Ergebnissen heraus lesen, dank des odds-ratio. Zu dem von dir angesprochenen Cutoff besagt mein SPSS-Handbuch jedoch leider nichts. Kennst du eine gute (Online)-Quelle wo erklärt wird wie ich diese Werte ablesen kann? Oder kannst du es näher erläutern?
Vielen Dank nochmal,
beste Grüße,
Hugo
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Re: Hypothesentest

Beitragvon Cadee » Mi 28. Aug 2013, 16:17

Welches statistische Verfahren du verwendest hängt von zwei Dingen an:
1) Was ist/sind deine abhängige/n Variable/n und was ist/sind deine unabhängige/n Variable/n?
2) Wie sind deine abhängige/n Variable/n und unabhängige/n Variable/n skaliert?

Daher gilt es erst einmal festzustellen, was hier AV und UV ist. Also ganz Allgemein:
Variable 1: "Materialismus"; ordinalskaliert/intervallskaliert (je nach deinem Gusto...)
Variable 2: "Kaufabsicht"; nominalskaliert (dichotom ausgeprägt)
Wie lautet nun deine Hypothese?
A) Materialsimus hat einen Einfluss auf die Kaufabsicht (Materialismus = UV; Kaufabsicht = AV)
B) Kaufabsicht hat einen Einfluss auf Materialismus (Kaufabsicht = UV; Materialismus = AV)

Wenn A bei dir der Fall ist und du annimmst, dass "Materialismus" intervallskaliert ist, dann berechnest du eine logistische Regression
Wenn B bei dir der Fall ist und du annimmst, dass "Materialismus" intervallskaliert ist, dann berechnest du einen t-Test

Ich meine herausgelesen zu haben, dass bei dir A zutrifft (zumal B auch wenig Sinn ergibt...).
Ich hatte schon an den Mittelwertdifferenzentest gedacht, aber dieser besagt ja nur, ob ein signifikanter Unterschied zwischen den Mittelwerten in beiden Gruppen besteht oder nicht. Er sagt nichts darüber aus, Materialismus tatsächlich dafür sorgt, dass der Konsumt die Kaufabsicht bejaht.

Richtig. Du könntest mit dem t-Test schauen ob sich im Mittel Menschen mit Kaufabsicht in ihrem Materialismus signifikant von Leuten unterscheiden, die keine Kaufbsicht haben - das ist ja aber nicht deine Fragestellung. Du willst eher wissen, ob höhere Materialismuswerte mit einer (signifikant) erhöhten Wahrscheinlichtkeit einer Kaufabsicht einhergeht, oder?

Ich sage es mal ganz offen: Ein t-Test ist nicht das, was du eigentlich machen müsstest, aber vom Aufwand (sprich Interpretation her) weniger schlimm als eine logistische Regression, die hier eigentlich angebracht wäre. Entweder du schreibst also deine Hypothese um (was eigentlich nicht so ohne Weiteres geht...) oder du boxt dich durch die log. Regression durch (was mit Aufwand verbunden wäre).

Viele Grüße
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Re: Hypothesentest

Beitragvon Cadee » Mi 28. Aug 2013, 16:21

...wie ich sehe, habe ich eh zu spät geantwort :'(
Aber schön, dass dein Betreuer das anscheinend genau so sieht wie ich :)

Quelle zur Interpretation:
google? :D
ganz gut ist auch:
http://www.uni-bamberg.de/fileadmin/uni ... g-BBES.pdf
Ansonsten:
"Discovering Statistics Using SPSS" Kapitel 8 (Kap. für logistische Regression). Kann man sich eigentlich in jeder Bib ausleihen, ansonsten schwirrt noch eine *hust* illegale *hust* pdf-Version irgendwo im Internet herum.
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Re: Hypothesentest

Beitragvon bele » Mi 28. Aug 2013, 16:37

Hugo23 hat geschrieben: Zu dem von dir angesprochenen Cutoff besagt mein SPSS-Handbuch jedoch leider nichts. Kennst du eine gute (Online)-Quelle wo erklärt wird wie ich diese Werte ablesen kann? Oder kannst du es näher erläutern?


Deine logistische Regression führt doch zu einer Formel, aus der man je nach Ausprägung des Materialismus einen Wert zwischen 0 und 1 ablesen kann. Richtig? Den könnte man interpretieren als Wahrscheinlichkeit, dass Kaufabsicht 1 wird. Diese Wahrscheinlichkeit erreicht bei einem bestimmten Wert von Materialismus den Wert 50% oder 0,5. Das wäre für mich ein natürlicher Cut-Off oder Umschlagspunkt.

LG,
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Re: Hypothesentest

Beitragvon Mirke » Mo 2. Sep 2013, 07:00

@Hugo, mal kurze Nebenfrage, wie hast du deine Bachelorarbeit abgegeben? Ich habe gehört dass da mittlerweile andere Formen erwünscht sind und nicht mehr die altbekannte Klebebindung?
Ich fange zwar erst kommendes Frühjahr an zu studieren, aber irgendwie interessiert mich das. Ein Bekannter von mir hat nur ne CD abgegeben. Ich kenn das aus meinem "früheren Leben" grins nur mit Klebebindung.

Ich werde wohl auch viel mit Statistik machen, bin mal gespannt!

LG
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Re: Hypothesentest

Beitragvon Lumba » Mo 2. Sep 2013, 09:42

Mirke hat geschrieben:@Hugo, mal kurze Nebenfrage, wie hast du deine Bachelorarbeit abgegeben? Ich habe gehört dass da mittlerweile andere Formen erwünscht sind und nicht mehr die altbekannte Klebebindung?
Ich fange zwar erst kommendes Frühjahr an zu studieren, aber irgendwie interessiert mich das. Ein Bekannter von mir hat nur ne CD abgegeben. Ich kenn das aus meinem "früheren Leben" grins nur mit Klebebindung.

Ich werde wohl auch viel mit Statistik machen, bin mal gespannt!

LG
Mirke


Hallo Mirkel,
also bei uns ist nach wie vor Klebebindung gefordert, bzw es soll halt schon aussehen wie ein "richtiges" Buch und was hermachen. Wenn wir bei uns eine CD einreichen würden möchte ich das Echo nicht hören... aber bis du soweit bist hat sich das vielleicht auch schon wieder zehnmal geändert und du kannst die Arbeit gleich irgedendwo hochladen oder so...
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