Hallo auch,
erst einmal ein paar Grundinfos vorweg: Daten wurden
immer gemessen! Es ist nur die Fragen auf welchem Skalenniveau das geschehen ist.
Den Median nimmst du tatsächlich bei mind. ordinalskalierten Werten. Den Mittelwert nimmst du erst bei mind. intervallskalierten Werten. Der Grund liegt darin, dass du im Mittelwert addierst und dividierst. Diese math. Operationen sind für ordinalskalierte Werte schlichtweg nicht sinnvoll.
Also nur damit ich dein Untersuchungsdesign richtig verstehe:
Du willst verschiedene Lösungsszenarien in ihrem Aufwand miteinander vergleichen. Also z.B. ist LSzenario A aufwändiger als LSzenario B?
Unabhängige Variable: "Lösungsszenario"; nominalskaliert (ich nehme an, mehr als zwei Ausprägungen, sprich mehr als zwei LSzenarien, oder?)
Abhängige Variable: "Aufwand"; ordinalskaliert
(Evtl. nehme ich auch nur 3 Stufen, weil subjektiv sicherlich nicht in 5 Stufen unterteilt werden kann)
Nöö, nöö... das ist durchaus okay so! Die allermeisten Fragebögen haben Items, die zwischen 4 und 6 Antwortkategorien haben. Je mehr Kategorien du hast, desto mehr kannst du differenzieren in den Antworten, desto mehr Informationen holst du aus den Daten. Und je mehr Infos du aus den Daten herausholst, desto eher entdeckst du die gesuchten Unterschiede. Die menschlichen Grenzen im Differenzieren werden ab ca. 7 Antwortkategorien erreicht (siehe bspw. Burisch, 1986 oder 1989).
Ob du hier Median oder Mittelwert nimmst ist so ein wenig Grundsatzdiskussion. IdR errechnet man bei soetwas den Mittelwert, aber nur weil die meisten das tun, heißt das ja noch nicht, dass es richtig ist. Wenn man wirklich felsenfest davon überzeugt ist, es handelt sich hier allein um ordinalskalierte Daten, dann darfst du keinen Mittelwert berechnen. Wenn du der Meinung bist, dass die Abstände zwischen "geringer Aufwand" und "mittlere Aufwand" genau so groß sind wie zwischen "mittlerer Aufwand" und "größerer Aufwand" und dies würde auch von so ziemlich allen Probanden ebenso interpretiert, dann darfst du hier auch einen Mittelwert errechnen. Ich persönlich sehe das nicht so eng und würde Mittelwert und parametrische Verfahren verwenden (siehe z.B. auch Bühner, 2011), aber gibt es sicherlich einige andere Stimmen hier im Forum

1) Ich möchte zusätzlich einzelne Anforderungen auch noch gewichten können. Darf man ordinale Werte denn mit Zahlen gewichten (bevor ich den Median anwende)?
...du müsstest mir glaube ich erst einmal erklären, warum du das überhaupt möchtest. Ich habe noch nie gesehen, wie Antwortkategorien gewichtet wurden.
2) Sehr ihr das auch so, dass ich hier nur eine Ordinalskala benuzten kann? Eine Kardinalskala würde mir den ganzen Mist ersparen und ich könnte einfach das gewichtete arithm. Mittel nehmen..Aber ich kann hier leider nicht sagen, dass Szenario 1 doppelt so aufwändig ist wie Szenario 2, eben weil mir messbare Zahlen fehlen.
Du wirst nie sagen können, dass LSzenario A um ein vielfaches aufwändiger ist (bzw. weniger aufwändiger) als LSzenario B. Was du aber gucken könntest ist, ob sich der Median von LS A "signifikant" von LS B unterscheidet. Oder du schaust, ob sich die Mittelwerte signifikant unterscheiden. Je nachdem ob du nun mit Median oder Mittelwert operieren möchtest. "Signifikant" heißt "überzufällig". Hier wären wir dann bei der Inferenzstatistik. Falls du oder dein Betreuer allerdings keine Übung darin habt, würde ich davon abraten...
Hoffe ich konnte helfen