Signifikanz von Prozentwerten in der Grundgesamtheit

Fragen, die sich auf kein spezielles Verfahren beziehen.

Signifikanz von Prozentwerten in der Grundgesamtheit

Beitragvon NineN » Mi 4. Mär 2015, 20:58

Liebe Leser,

ich bin normalerweise kein Fan von Leuten, die sich kurzfristig registrieren und auf Antwort hoffen, allerdings weiß ich im Moment nicht weiter und würde mich sehr freuen, wenn mich jemand von euch kurz beraten könnte.

Ich schreibe eine qualitative Bachelorarbeit und habe mit Statistik seit der Grundvorlesung nicht mehr sehr viel am Hut gehabt.
Nun habe ich verschiedene Zahlen erhoben:

Urteile insgesamt: 196 (100%)
Urteile ohne Merkmal a: 93 (47,45%)
Urteile mit Merkmal a: 103 (52,55%)

Urteile mit Zeitungsartikeln: 22 (11,22% an der Grundgesamtheit von 196)
Urteile ohne Merkmal a und mit Artikeln: 2 (1,02% an der Grundgesamtheit von 196; 9,09 % an allen 22 Artikeln)
Urteile mit Merkmal a und mit Artikeln: 15 (7,65% an der Grundgesamtheit von 196; 68,18 % an allen 22 Artikeln)
[Die fehlenden fünf Urteile werden aus Definitionsgründen im Folgenden ausgeschlossen.]

Mir geht es jetzt eigentlich nur darum zu argumentieren, dass der Unterschied in der Verteilung der Urteile mit Zeitungsartikeln signifikant ist, wenn man ihn mit der Gesamtverteilung vergleicht.
Ich bin an einer Uni, die sehr viel Wert auf Statistik legt, habe damit aber selbst kaum etwas zu tun und stehe gerade völlig auf dem Schlauch. Ursprünglich wollte ich die Werte einfach vergleichen und sagen, so Hypothese ist gültig: Urteile mit Merkmal a führen eher zu Artikeln, als Urteile ohne Merkmal a. Aber dann kamen die ganzen Erinnerungen an chi-Tests, t-Tests, Signifikanzniveaus, etc. Muss ich hier etwas derartiges berechnen? Ich möchte ja nicht herausfinden, ob sich die Befunde meiner Stichprobe auf die Grundgesamtheit übertragen lassen, sondern Werte innerhalb der Grundgesamtheit miteinander vergleichen.

Vielen, vielen Dank an jeden, der bis hierhin gelesen hat und ich freue mich auf eine kurze Antwort. Bitte nicht sauer sein, falls euch sofort klar sein sollte, dass dies statistisch keinerlei relevante Verfahren nachzieht, ich bin gestresst wegen meines Abgabetermins und nicht mehr in der Lage klar zu denken.

Viele Grüße

Nine
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Re: Signifikanz von Prozentwerten in der Grundgesamtheit

Beitragvon bele » Mi 4. Mär 2015, 21:59

Hallo,

Schwer zu sagen, ob Du mehr Probleme mit dem denken oder mehr mit dem Beschreiben hast. Ich tippe darauf, dass Du nach einem chi-^2 Test suchst. Aber wirklich verstanden habe ich es nicht. Vielleicht hilft der Hinweis trotzdem.

LG,
Bernhard
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Re: Signifikanz von Prozentwerten in der Grundgesamtheit

Beitragvon PonderStibbons » Mi 4. Mär 2015, 23:00

Nun habe ich verschiedene Zahlen erhoben:

Da wäre es erstmal erforderlich zu beschreiben, wie die zustandekamen.
196 Leute haben was beurteilt? Du hast 196 Urteile gefällt? Was anderes?
Und wie lautet das Thema und wie die Fragestellung der Studie?

Mit freundlichen Grüßen

p.
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Re: Signifikanz von Prozentwerten in der Grundgesamtheit

Beitragvon NineN » Mi 4. Mär 2015, 23:13

Hallo Bernhard,

vielen Dank für deine Antwort.

Klassischerweise habe ich mit dem Denken keine Probleme, aber ab und an verwirrt mich die Statistik ;) Ins Besondere, da ich seit zwei Jahren gar nichts mehr damit am Hut habe.
Zum Beschreiben: Ich finde es relativ kompliziert die umfangreiche Thematik (qualitativ aufgebaut, daher schwierig kurzfristig quantifiziert zu werden) zu erläutern, sodass meine Frage verständlich ist und gleichzeitig im Gesamtzusammenhang verortet bleibt.

Chi^2-Test habe ich angedacht und am frühen Abend auch schon eine Kontingenztafel entworfen, schien mir dann aber eher geeignet um mit Verteilungen und Stichproben zu arbeiten. Bei genauerem Nachlesen kann man aber anscheinend auch die Unabhängigkeit zweier Variablen voneinander bestimmen. Wenn ich mein Vorgehen also dahingehend ändere, könnte das Funktionieren. Aufgrund geringer Werte muss man dann aber auf den Fisher-Test zurückgreifen, nicht wahr?

Vielen Dank auf jeden Fall nochmal. Und nicht verzagen, es kann auch einfach sein, dass meine Frage überhaupt nicht statistisch, sondern argumentativ zu behandeln ist.

Nine

PS: Es handelt sich um 196 Urteile auf Verfassungsmäßigkeit eines lateinamerikanischen Verfassungsgerichts. Durch eine qualitative Inhaltsanalyse werden implizite Mechanismen zwischen Sondervoten innerhalb der Urteile und Medienberichten untersucht. Numerische Verteilungen verschiedener Urteilstypen sollen zu Beginn betrachtet werden um einen ersten Überblick zu erhalten und allgemein festzustellen, ob zu Urteilstypus eins mehr Zeitungsartikel veröffentlicht wurden, als zu Typus 2.
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Re: Signifikanz von Prozentwerten in der Grundgesamtheit

Beitragvon NineN » Do 5. Mär 2015, 01:59

Hallo,

Ich habe jetzt den Fisher Test durchgeführt, hier kurz die Eingabe und das Ergebnis:

> my.table <- matrix(c(15,2,88,91),2,2)
> dimnames(my.table)<- list( Sondervotum=c("Ja","Nein" ) ,Artikel=c("Ja","Nein" ))

> fisher.test(my.table)

Fisher's Exact Test for Count Data

data: my.table
p-value = 0.00189
alternative hypothesis: true odds ratio is not equal to 1
95 percent confidence interval:
1.710875 71.421660
sample estimates:
odds ratio
7.690672

Danach habe ich einen Mosaikplot erstellt, welcher mir als Legende Pearson residuals: -2.14 bis +2.00 ausgibt und einen p-Wert von 0.002048.

Inwiefern hängt denn dieser p-Wert mit dem ausgegebenen Ergebnis für den Fisher Test zusammen? Das verwirrt mich jetzt noch.

Viele Grüße!
NineN
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Re: Signifikanz von Prozentwerten in der Grundgesamtheit

Beitragvon bele » Do 5. Mär 2015, 09:29

NineN hat geschrieben:Klassischerweise habe ich mit dem Denken keine Probleme

Ich habe Dir auch keine unterstellt, das kam von Dir.

Ich finde es relativ kompliziert die umfangreiche Thematik (qualitativ aufgebaut, daher schwierig kurzfristig quantifiziert zu werden) zu erläutern, sodass meine Frage verständlich ist und gleichzeitig im Gesamtzusammenhang verortet bleibt.

Ja, das ist bestimmt kompliziert. Du musst entscheiden, wieviel Mühe es Dir Wert ist.

Vielen Dank auf jeden Fall nochmal. Und nicht verzagen, es kann auch einfach sein, dass meine Frage überhaupt nicht statistisch, sondern argumentativ zu behandeln ist.

Wenn es inhaltswissenschafltiche Argumente gibt, dann wollen die wohl überlegt sein, bevor man mit Statistik anfängt.

Danach habe ich einen Mosaikplot erstellt, welcher mir als Legende Pearson residuals: -2.14 bis +2.00 ausgibt und einen p-Wert von 0.002048.

Inwiefern hängt denn dieser p-Wert mit dem ausgegebenen Ergebnis für den Fisher Test zusammen? Das verwirrt mich jetzt noch.

Beide liegen sehr nah beeinander. Das beruhigt eher, als zu verwirren. Ich kann jetzt raten, ob Du für den Mosaic-Plot vielleicht das package "vcd" verwendet hast, vielleicht hast Du aber auch ein anderes verwendet. Nicht alle Zusatzpackages sind gut dokumentiert, viele aber doch. Die PAckagedokumentation wäre der erste Ort um nachzuschauen, was das für ein p-Wert ist, auf welchen Test der sich stützt. Andernfalls könntest Du package und genauen Befehlsaufruf in Form eines reproduzierbaren Beispiels posten.

LG,
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Re: Signifikanz von Prozentwerten in der Grundgesamtheit

Beitragvon NineN » Do 5. Mär 2015, 15:27

Vielen Dank nochmal, ich schau es mir an (ist vcd) und wende mich jetzt erstmal wieder meiner spanischen Interpretation zu, da drängt noch etwas die Zeit.

Viele Grüße

Nine
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Re: Signifikanz von Prozentwerten in der Grundgesamtheit

Beitragvon bele » Do 5. Mär 2015, 15:41

Na dann Viel Spaß mit der spanischen Interpretation.

Wenn Du doch nochmal auf den Thread zurück kommst: die Dokumentation zu "mosaic" aus vcd verweist darauf, dass es die Funktion "strucplot" verwendet. In der Dokumentation zu "strucplot" wiederum steht
Then, residuals are computed as needed from observed and expected frequencies, where the expected frequencies are optionally computed for a specified independence model.
Dass Du irgendwelche "expected frequencies" oder irgendeine Modelldefinition angegeben hast, davon stand oben nichts. Das scheint aber der Punkt zu sein, ab dem mosaic Residuen und einen p-Wert angibt. Lass das einfach weg, und Du erhälst einen Mosaicplot und einen schönen Fisher-Test und die Welt ist in Ordnung.

LG,
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